„Kettenöl“ schluckt man wortlos


In Rheine durfte man früher unter gar keinen Umständen rechts der Ems wohnen. Das war definitiv die falsche Seite.  Warum weiß ich ehrlich gesagt nicht genau. Vielleicht gab es dort „soziale“ Brennpunkte, falls man in einem beschaulichen Städtchen im Münsterland überhaupt von ebensolchen sprechen kann.

Wie dem auch sei. Ich bin an der Ems aufgewachsen. Auf der richtigen Seite natürlich. Mit der Ems verbinden mich viele Erinnerungen. Das reicht von  Grillabenden am Emsufer bis hin zu weniger erfolgreichen Ruderversuchen auf der Ems, die zum Schulunterricht gehörten. In der Schule übrigens, deren Name ebenfalls mit „Ems…“ anfing.

Unterwegs an der EmsEntlang der Ems bin ich aber ehrlich gesagt bis vor kurzem nicht wirklich weit geradelt. Und ich muss gestehen, dass mir dabei wirklich etwas entgangen ist.  Auf rund 110 Kilometern verläuft – entlang der Ems – der so genannte EmsAuenWeg. Er schlängelt sich durch eine schönen Auenlandschaft von Warendorf über Telgte, Greven, Saerbeck und Emsdetten nach Rheine. Natürlich kann man ihn auch umgekehrt fahren.

Neben dem reizvollen Flusslauf mit seiner schönen Auenlandschaft bietet die Radroute interessante Einblicke in natur- und kulturhistorische Aspekte der Region. Ich habe zum Beispiel bislang nicht gewusst, dass es ein Sachsendorf bei Greven gab und dass Emsdetten mal eine Kloake war. Hat zumindest der Emsdettener Bürgermeister im Jahr 1821 gesagt.

Zahlreiche Aussichtstürme, Infotafeln entlang der gesamten Route, die im Rahmen eines Regionale-Projektes entstanden,  bieten eine neue Sicht auf  die schöne Landschaft. Der Radler entdeckt dabei nicht nur die schöne Natur, sondern lernt auch noch eine ganze Menge über das Münsterland. Und das ist – auch wenn ich es früher immer vehement abgestritten habe – doch sehr spannend.

Saline in BentlageIn Rheine geht die Tour los und zunächst einmal wird Bentlage erkundet. Von der Saline über das alte Kloster Bentlage geht es mitten durch das Stadtzentrum, schließlich entlang der Ems über die Arbeitersiedlung Gellendorf in Richtung Elte. Hier liegt auch die Fachwerkhofanlage Pöpping.

Weiter geht es danach durch die Elter Dünen in Richtung Emsdetten, was übrigens heute keine Kloake mehr ist. Schließlich wurde „bereits“ 1979 eine Kläranlage gebaut, die 1993 erweitert wurde. Die Ems ist heute sauber – steht zumindest im Radwanderführer…

Emsauen bei RheineEntlang zahlreiche Wallhecken – dafür soll Saerbeck bekannt sein – geht es über Hohlwege in die Emsniederungen. Am Rande des Weges gibt es nun zahlreiche Skulpturen, die im Rahmen der Skulpturbiennale entstanden sind.  Mit dabei ist auch unter anderem auch die „Kunst auf dem Acker“, wie beispielsweise ein  „Schornstein im Wald“, der für irgendeine Irritation sorgen soll. Nun denn.

Weg abgleichenFür etwas Irritation sorgt hingegen – und das ist leider fast auf dem gesamten Emsauenweg so – die schlechte Ausschilderung der Strecke. Immer wieder kommt man vom Emsauenweg ab, da der Weg wahrlich nur sehr spärlich ausgeschildert ist. Wenn man dann doch wieder den richtigen Weg gefunden hat, was aufgrund zahlreicher netter Hinweise vieler Radler doch recht problemlos möglich ist, dann geht es weiter über den  Sachsenhof in Greven Wentrup. Sandbau und Archäologie prägen diese Gegend. Durch die Wentruper Berge – und die machen ihrem Namen nach rund 50 Kilometern alle Ehre – geht es schließlich in Richtung Grevener Innenstadt.

Entlang der Burg Schöneflieth – die eigentlich gar nicht mehr da ist, aber deren Grundrisse „grob“ rekonstruiert wurden – geht es weiter Richtung Greven-Gimbte, eine beschaulichen Siedlung, in der die alten Höfe noch in ihrem historischen Stadtkern liegen. Aufgrund seiner hervorragenden Gastronomie (zum Beispiel das Gasthaus Schraeder) gilt Gimbte heute als ein beliebtes Ausflugsziel.

Ketten ölenUnd wer sich nach einer entspannten Nacht wieder auf das Rad schwingt, der kommt nicht umhin, die Kette zu ölen. In Gimbte heißt das im Klartext: Schnaps trinken. Direkt nach dem Frühstück wird der Radler nämlich mit einem Pflaumenschnaps auf die Reise geschickt. Und weil man auf einem Bein nicht stehen kann, muss man noch mit einem zweiten Schnaps den „Kaffeegeschmack  wegspülen“. Sagt die Wirtin. Und was die sagt, das stimmt sicher. Wach ist man zumindest danach. Und niemand traut sich, der netten, aber doch durchaus resoluten Gastwirtin zu widersprechen, oder womöglich das Ketten-Öl-Getränk abzulehnen. Na dann, Prost!

Wer es danach schafft, sich noch locker auf sein Radl zu schwingen, sollte sich vorsichtig und langsam in Richtung Bockholter Berge aufmachen. Weiter geht es durch die Rieselfelder, die nur wenige Pedalumdrehungen von Gimbte entfernt liegen. „Eine Kloake macht Karriere“ titelt der Radwanderführern und schon wieder zweifele ich für einen kurzen Moment an der „sauberen Ems“. Allerdings wohl völlig umsonst.

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Die ursprüngliche Aufgabe der 1901 angelegten Felder war die Reinigung der städtischen Abwasser. Bis Mitte der 1970er Jahre versickerte die stinkende Brühe in ebendiesen Feldern und wurde durch den Sandboden gefiltert. Heute gibt es dort zahlreiche Teiche und etliche Vögel (sagt zumindest der Reiseführer).  Die ehemalige Kloake ist heute also ein Vogelreservat. Klingt zwar suspekt, aber angeblich ist dort von „Kampfläufern“ über „Löffelenten“ bis hin zu „Bekassinen“  so ziemlich alles vertreten.  Die Biologische Station betreut die Rieselfelder seit 1974 und sorgt dafür, dass nach wie vor das Abwasser – in gereinigter Form natürlich – auf die Felder kommt. Wie dem auch sei: Ich habe leider nur quäkende Frösche gesehen und gehört. Aber davon gleich Dutzende…

Wassermühle in TelgteUnd weiter wird gestrampelt Richtung Vadrup und Fuestrup. Durch die Emslandschaft geht es schließlich zum Haus Langen. Der alte ehrwürdige Adelsitz liegt an einer Wassermühle (mit Fischtreppe). Schließlich wird Telgte erreicht. Das Städtchen ist auf jeden Fall  einen längeren Zwischenstopp wert. Es gibt viel zu sehen und per Rad zu erkunden. Unter anderem gibt es den Kreuzweg, die Motte und den Erlenbruchwald, den Emsauenpark und den Grabhügel. Allesamt lohnenswerte Abstecher. Von Telgte geht es schließlich über den Ort „Einen“ und die Kottruper Seen in Richtung Warendorf. Die Reiterstadt ist  – in diesem Fall, denn wir sind ja „rückwärts“ gefahren – der Schlusspunkt der Tour durch die Emsauen.

Resümee nach 115 Kilometern:

– Es gibt ausgesprochen viel zu entdecken in den Emsauen.

– Das Münsterland hat wahrlich mehr zu bieten als die typische Parklandschaft und Wasserschlösser zuhauf.

– Die Beschilderung des Emsauenweges könnte zweifelsohne einmal erneuert werden, damit auch ortsunkundige Radler den Weg finden.

– Der Fluß war mal eine übel stinkende Kloake (über diesen Begriff bin ich schließlich nicht nur in Emsdetten und an den Rieselfeldern gestolpert), aber das hat sich augenscheinlich geändert.

Und: Kettenöl schluckt man am besten wortlos herunter. Es gibt da eh keine Diskussion! Egal, ob man nun rechts oder links der Ems aufgewachsen ist…

Radtour „gezwitschert“


Ich habe es getan: Ich habe mein erstes Twitter-Reise-Tagebuch geschrieben.  Zwei Tage  dauerte die Radtour durch die Emsauen und zwei Tage habe ich insgesamt 22 kurze „Gezwitscher“ abgeschickt. Und es hat Spaß gemacht. Heute morgen haben wir vor dem Rechner gesessen und uns unseren Reiseverlauf noch einmal angeschaut.

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Klar: Niemand – außer uns vieren – kann etwas mit „Gimbte-Summit – Gimbte-Gipfel oder Schraeder Pakt“ anfangen. Keine weiß, was  „ömmel“ heißt und ich bezweifel auch, dass man außerhalb des Münsterlandes das Wort „Tango“ als Getränk kennt. Nichtsdestotrotz: Wir haben uns ein kleines Reisetagebuch gezwitschert. Wir wissen etwas mt Tango, Ömmel, Bambi-Xing, Birkenzweig usw. anzufangen.  Und wir haben es geschafft, unsere Reise in 22 Twitter-Einträgen mit 140 Zeichen unterzubringen. Meistens haben wir sogar nicht einmal 140 Zeichen benötigt. Und das will schon etwas heißen.

Ich weiß nicht, ob wir in zwei Jahren noch verstehen, was wir damals getwittert haben. Aber vielleicht ist Twitter ja auch in zwei Jahren längst wieder out und unsere Reisetagebuch schwirrt als Datenmüll durch die Gegend. Wer weiß.

Berry-GezwitscherDas legendäre Moleskin hat mich bislang stets als Notizbuch auf Reisen begleitet, heute ist es das Blackberry. Das Moleskin ist allerdings immer noch dabei. Darin stehen die Reisedinge, die die Welt nun wirklich so gar nichts angehen. Kürzlich habe ich gelesen, dass ein britischer Schriftsteller einst über 100 Notizbücher bestellt hat, um sie mit auf seine Reise nach Australien zu nehmen. Welch eine Schlepperei. Mein Blackberry wiegt schlappe 100 Gramm.

PS. Ein Tango ist übrigens ein Bier mit Regina. Jetzt bitte nicht fragen, was Regina ist….

Mehr Blogger und Twitterer


„16 Jahre Internet “. Diese Betreffzeile in einer Mail ließ uns in dieser Woche aufhorchen. 16 Jahre Internet? Erst? Was 1989 im Kernforschungszentrum Cern in Genf begann, gehört heute zum Alltag.

Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass das Web schon immer zum Alltag gehört hat. Ein Leben ohne Web ist einfach nicht mehr vorstellbar. Zumindest für mich nicht. Das Internet ist für mich eine der größten Erfindungen der Informationstechnik. Kein Unternehmen, kein Verein, kein Verband, der heute nicht online zu finden ist.

Wurde das Web anfangs fast ausschließlich zur „Informationsbeschaffung“ genutzt, so hat sich dieses Verhalten in den vergangenen Jahren stark verändert. Längst lautet das Schlagwort Web 2.0. . Benutzer erstellen, bearbeiten und verteilen Inhalte heute selber Zweifelsohne haben auch Social-Network eine zunehmende Bedeutung erhalten. Man kommuniziert via Facebook mit Freunden, die in aller Welt verstreut sind, man informiert seine Leserschaft via Twitter über jeden Furz. Das Web 2.0 wird längst gelebt und macht das Internet lebendig.

Aber natürlich ist im Web 2.0 nicht alles Gold, was glänzt. Millionen Menschen machen ihr Leben so öffentlich, dass sie – einmal durch Google gejagt – sich zum Beispiel als potentielle Bewerber für ein Stellenangebot selber aus dem Rennen werfen. Big Brother im Browser…

Längst nutze ich natürlich auch Twitter und Facebook, bin bei Xing dabei und blogge. Und ich befinde mich dabei in bester Gesellschaft (sogar Obama bloggt und twittert ja angeblich) Als Journalist darf und muss ich das natürlich alles ausprobieren. Ich darf sogar – so wie jetzt – dienstlich bloggen.

Wie leicht gerät dabei in Vergessenheit, dass doch „nur“ rund 42 Millionen Deutsche online sind. Es gibt immer noch Gesellschaftsgruppen, die die neuen Medien sehr zurückhaltend oder gar nicht nutzen. Nach wie vor bestimmen Bildungsgrad und Alter, wer »online« ist und wer nicht Der Wettbewerb „Wege ins Netz“ will das ändern.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie startete am 8. April den Wettbewerb »Wege ins Netz 2009«, der in diesem Jahr bereits zum sechsten Mal ausgelobt wird. Gesucht werden Internetprojekte, die Menschen Unterstützung für den Einstieg in das Internet anbieten und deren Kompetenzen im Umgang mit dem Medium vorbildlich fördern. Eine schöne Geschichte, wie ich finde. Vielleicht hat ja der eine oder andere eine Idee, noch mehr Blogger und Twitterer zu gewinnen.

Hier ist der passende Link dazu:  www.wegeinsnetz2009.de

Ohne Kommunikation funktioniert nichts