In zwölfeinhalb Stunden von Bagan nach Mandalay


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Es ist ziemlich frisch an diesem Dezembermorgen um 5 Uhr in Bagan. Der Taxifahrer fährt durch eine stockdunkle Stadt zum Jetty in Old Bagan. Der Jetty ist der Hafen in Bagan, der historischen Königsstadt in Myanmar. Dort starten täglich die Schiffe nach Mandalay.

Auch an diesem Dezembermorgen machen sich gleich mehrere Schiffe in Richtung Bagan auf. Welches Schiff wo anlegt und wo es hingeht, das ist auf den ersten Blick für Touristen nicht zu erkennen. Das Pier ist an einem Hügel, die Boote sind mit langen Tauen an Land befestigt und das einzige Licht sind Scheinwerfer, die das Boot vom Hügel aus beleuchten. Viele Menschen stehen herum, die den Reisenden ein paar Lebensmittel und Getränke verkaufen wollen. Und sie weisen den Weg zu den richtigen Booten, den auch der Taxifahrer bemüht sucht.

Der Kapitän und seine Crew auf der Kommandobrücke des Schiffes.
Der Kapitän und seine Crew auf der Kommandobrücke des Schiffes.

An Board eines Schiffes der Reederei Shwekeinnery geht es den Irrawaddy (auch Ayeyarwady, Ayeyarwaddy oder Irawadi genannt) herauf. Vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang – rund 12,5 Stunden wird das Schiff am Ende des Tages für die komplette Strecke benötigen.

Beim Sonnenaufgang in Bagan ziehen einige unbeleuchtete Schiffe vorbei.
Beim Sonnenaufgang in Bagan ziehen einige unbeleuchtete Schiffe vorbei.

In der Dunkelheit von Bagan beginnt die Fahrt. Schemenhaft erkennt man am Ufer einzelne Lichter. Mitunter ziehen unbeleuchtete Schiffe vorbei, die wie Geisterschiffe wirken. Kurz hinter Bagan sind die ersten Sonnenstrahlen am Horizont zu sehen. Sofort wird es merklich wärmer. Und natürlich sind auch sofort die ersten Pagoden am Ufer zu sehen.

Unterwegs trifft man auf Boote, auf denen nach Metallen gesucht wird.
Unterwegs trifft man auf Boote, auf denen nach Metallen gesucht wird.

Erst 1996 hat sich das südostasiatische Land Myanmar – auch Burma oder Birma genannt – für den Tourismus geöffnet und seine 40-jährige selbst gewählte Isolation aufgegeben. Lebte das Land Jahrzehnte fast völlig abgeschottet mit einer Militärdiktatur, so strömten in den vergangenen Jahren mehr und mehr Touristen in dieses faszinierende Land mit seinen unglaublich freundlichen und netten Menschen.

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Auch an diesem Dezembermorgen auf dem auf dem Irrawaddy ist die Freundlichkeit und Neugier der Menschen wieder spürbar. Über einen interessierten Blick und ein Foto freut sich die gesamte Crew auf der Kommandobrücke des Schiffes. Der Kapitän und seine Crew, allesamt in landesüblichen Longyi (Männerröcken) gekleidet erklären mit Händen und Füßen und einigen englischen Wörtern die Funktionen, Fahrtzeiten und Wasserhöhen- und -tiefen. Letzteres ist ein ganz wichtiger Punkt, der die Dauer der Reise über den Irrawaddy stark beeinflusst. Immer wieder kommt das Schiff an Sandbänke und Crewmitglieder stechen mit langen Stangen in das Wasser, um die Tiefe zu messen. Nicht selten läuft ein Boot auf und es kann Stunden dauern, ehe es weiter geht.

Bauern am Ufer des Irrawaddy.
Bauern am Ufer des Irrawaddy.

Allerdings nicht an diesem Dezembermorgen. Da geht es zügig vorbei an Dörfern, Sandbänken, Erdnussfeldern, Goldwäschern, Fischerhütten und zahllosen Pagoden, die mit ihren goldenen Kuppeln auch aus der Ferne gut zu erkennen sind. Immer wieder sind Menschen am Ufer, die das Boot beobachten. Bauern unterbrechen ihre Arbeit mit dem Ochsenkarren und winken den Menschen an Board zu. Alle paar Stunden hält das Schiff kurz an, um Menschen von Board zu lassen bzw. aufzunehmen. Dort kann dann auch frisches Obst gekauft werden, das zumeist von Händlerinnen, die bis zur Hüfte im Wasser stehen, auf das Boot geworfen wird. Die Geldscheine werden im Gegenzug auf das Wasser geworfen, wo sie blitzschnell eingesammelt werden.

Die Wäsche wird in der Sonne am Ufer des  Irrawaddy getrocknet.
Die Wäsche wird in der Sonne am Ufer des Irrawaddy getrocknet.

Je näher das Boot Mandaly kommt, desto bevölkerter wird es. Einzelne kleine Städte sind sichtbar und kurz vor Mandaly an der großen Irrawaddy Brücke, die erst 2008 fertiggestellt wurde, geht die Sonne bereits wieder unter. Bei der Ankunft in Mandalay muss über ein einfaches Holzbrett an Land balanciert werden. Wie immer sind genügend hilfsbereite Hände da, die die Taschen, Rucksäcke und die Reisenden in Empfang nehmen.

PS.Natürlich gibt es den Beitrag auch im Print. Hier ist das Ding (Myanmar)

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