Geisterstadt in der Wüste


Herrschaftliche Gebäude: Man kann in der ehemaligen Diamantenstadt Kolmannskuppe (Namibia) erahnen, dass es dort früher viel Reichtum gab. Heute ist die Geisterstadt für Touristen geöffnet.
Herrschaftliche Gebäude: Man kann in der ehemaligen Diamantenstadt Kolmannskuppe (Namibia) erahnen, dass es dort früher viel Reichtum gab. Heute ist die Geisterstadt für Touristen geöffnet.

Es hat wahrlich etwas Gruseliges an diesem Nachmittag. In der Namib-Wüste peitscht ein Sturm den Sand über die Straße. Auf dem Weg nach Lüderitz liegt links das Diamantensperrgebiet, auf der rechten Seite die unendliche Weite der Wüste, die sich an diesem stürmischen Tag kaum erahnen lässt.*

Rund zehn Kilometer vor der namibischen Hafenstadt Lüderitz taucht rechts schemenhaft der Flughafen auf. Gegenüber liegt die Einfahrt zur Geisterstadt Kolmanskop (Afrikaans), auf deutsch auch Kolmannskuppe genannt. Man kann in diesem Sandsturm nur undeutlich einzelne Gebäude erblicken.

Am nächsten Tag hat sich das Wetter komplett geändert. Strahlender Sonnenschein auf dem Weg zur Geisterstadt Kolmannskuppe. Wer sich frühmorgens auf den Weg macht, der hat das Glück, fast alleine durch die Gebäude zu krabbeln. Gegen 10 Uhr fallen die ersten Busladungen ein, dann ist es mit der Ruhe und der geisterhaften Atmosphäre vorbei.

Dass hier vor über 100 Jahren mal ein blühender Ort gewesen ist, mag man heute kaum glauben.Zwar weisen die alten und mitunter sehr herrschaftlichen Häuser darauf hin, doch heute hat die Wüste sich den ehemals blühenden Ort Stück für Stück zurück geholt.

Kolmannskuppe: Eine einst blühende Diamantenstadt in Namibia.
Kolmannskuppe: Eine einst blühende Diamantenstadt in Namibia.

Es war wie so oft: Im Jahr 1908 wurden in Kolmannskuppe die ersten Diamanten gefunden. Die Bedingungen in der Wüste konnten kaum lebensfeindlicher sein, dennoch lockte der Ort hunderte Menschen in die Wüste, die sich Reichtum erhofften. Unwirtlicher konnte ein Ort für Menschen kaum sein, dennoch wurde – nach deutschem Vorbild – eine Stadt gebaut, in der kein Luxus fehlte. Ein modernes Krankenhaus, eine Eisfabrik, ein Elektritzitätswerk, herrschaftliche Villen und sogar ein Schwimmbad und eine Sporthalle wurden errichtet. Um 1920 sollen bis zu 1000 Menschen in Kolmannskuppe gelebt haben.

Sie alle kamen, um vom Diamantenreichtum zu profitieren. Das ging auch einige Jahre gut und das Wüstenstädtchen galt damals sogar als reichste Stadt Afrikas. Doch der Reichtum hielt nicht lange an. Bereits 1930 wurde der Diamantenabbau bei Kolmannskuppe komplett eingestellt und die Diamantenförderung verlagerte sich weiter in Richtung Süden.

Meterhoch liegt der Sand heute in den einzelnen Gebäuden.
Meterhoch liegt der Sand heute in den einzelnen Gebäuden.

Die Wüste holte sich allmählich zurück, was die Menschen ihr genommen hatte. Heute ist es möglich, die verschiedenen Häuser zu besichtigen. Oft liegt der Sand meterhoch in den Gebäuden, einige Gebäude werden momentan wieder renoviert, um sie Touristen zugänglich zu machen. So werden beispielsweise alte Badezimmer erneuert, in denen ehemals luxuriöse Fliesen den Reichtum von früher erahnen lassen. Auch die großen Villen zeigen, dass hier einmal viel Geld verdient wurde.

Heute hat man in Lüderitz gemerkt, dass man mit der Geisterstadt Geld verdienen kann. Der Tourismus wird seit 1990 angekurbelt. Um sich aber richtig vorzustellen, was und wie die Menschen in Kolmannskuppe gelebt haben, muss man wirklich früh morgens kommen, dann nämlich hat das Wüstendorf noch etwas von einer echten Geisterstadt.

Rollen erstmal Busladungen voller Touristen rein, die ihre Gruppen mit dem Megaphon zusammen brüllen, dann hat Kolmannskuppe leider nichts Geisterhaftes mehr.

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* Der Artikel ist am Sonntag, 2. Dezember in der Wochenpost erschienen. Hier gibt es das PDF… 

2 thoughts on “Geisterstadt in der Wüste”

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