Die Serengeti: Ein einzigartiger Lebensraum


Ich habe über Google Plus Kontakt zu Uwe Skrzypczak bekommen. Er ist ein bekannter Wildlife-Fotograf und Buchautor. Momentan arbeitet er an einem neuen und umfangreichen Buchprojekt über die Serengeti. Ich hatte die Möglichkeit, mit Uwe Skrzypczak ein Interview zu führen, was am Sonntag, 14. August, in der Wochenpost erschienen ist. Hier ist das Interview noch einmal komplett:

Ich habe mir Ihr aktuelles Buchprojekt „Weltnaturerbe Serengeti – Aus Feuer und Asche geboren“ – angeschaut. Warum liegt Ihnen das Ökosystem der Serengeti so sehr am Herzen?  

Die Serengeti: Ein einzigartiger Lebensraum
Die Serengeti: Ein einzigartiger Lebensraum

Skrzypczak: Die als „Wiege der Menschheit“ bekannte Olduvai-Schlucht liegt im Serengeti-Ökosystem – somit ist die Serengeti Teil unserer menschlichen Identität. Die Entwicklung der großen, fast baumlosen und somit schutzlosen Savannen, in denen die Nahrung „erwandert“ werden musste, fällt etwa zeitgleich mit unserer eigenen Entwicklung vom affenähnlichen Hominiden zum ersten aufrecht gehenden, modernen Menschen, dem Homo erectus. Die Serengeti ist der einzig erhaltene Naturraum auf unsere Erde, in dem wir auf über zwei Millionen Jahre unserer eigenen Entwicklung zurück schauen können.

Es soll eine zweiteilige Buchreihe über das Serengeti-Ökosystem werden. Teil eins handelt von der Kälber-Geburtenphase in der südöstlichen Serengeti. Welcher Teil sind noch in Planung?  

Skrzypczak: Teil eins handelt von der eigentlichen Serengeti, die Naturfilmer wie Grzimek und andere in uns geprägt haben. Es sind die riesigen Kurzgrassavannen im südöstlichen Teil des Serengeti-Mara-Ökosystems. Hier findet jedes Frühjahr zur kleinen Regenzeit eine Wiedergeburt des Lebens statt. Die fast halbwüstenartige Trockensavanne ergrünt dann zu neuem Leben mit sehr nahrhaften Gras, ideal zur Milchproduktion für die trächtigen Gnukühe. Über einen Zeitraum von wenigen Wochen werden hier Hundertausende von Gnukälbern geboren. Zum Ende der kleinen Regenzeit startet hier der jährliche Zyklus der großen Huftiermigration. Weit über eine Million Gnus, Zebras und Gazellen ziehen dabei mehr als 2000 Kilometer im Uhrzeigersinn durch das Ökosystem bis hinauf nach Kenia, bevor sie im nächsten Frühjahr wieder auf die Kurzgrassavannen zurückkehren. Diese große Wanderung mit all ihrer Dramatik werde ich in meinem nächsten Buch mit entsprechend imposanten Bildern beschreiben.

Die Regierung Tansanias wollte jüngst eine Straße durch den Serengeti-Nationalpark bauen. Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel hat die Regierung Tansanias – so einige Pressemeldungen – angeblich überzeugt, keine Straße zu bauen. Ist das Thema damit wirklich vom Tisch?

Skrzypczak: Diese Pressemeldung ist falsch. Die tansanische Regierung zeigte sich bisher völlig verhärtet in dieser Frage. Minister Niebel hatte als erster westlicher Politiker die Durchsetzungsfähigkeit, Tansania überhaupt wieder an den Verhandlungstisch zurück zu bringen, um mögliche Alternativrouten zur geplanten Nordroute durch die Serengeti in Betracht zu ziehen.  Die dazu erforderlichen Studien und Planungen werden jetzt vom deutschen Entwicklungsministerium durchgeführt. Zur Zeit ist der für 2012 geplante Straßenbau durch die Serengeti zumindest als Schotterpiste – die aber unter afrikanischen Verhältnissen einer vollwertigen Straße entspricht – nicht gestoppt. Sie soll nur vorübergehend nicht vom freien Verkehr genutzt werden dürfen.

Die Serengeti: Ein einzigartiger Lebensraum
Die Serengeti: Ein einzigartiger Lebensraum

Was würde solch eine Straße durch den Serengeti-Nationalpark bedeuten?

Skrzypczak: Die als „Serengeti-road“ weltweit bekannte und bekämpfte Straßenführung quer durch die nördliche Serengeti schneidet zukünftig die große Migration mit weit mehr als einer Million Huftiere von der Massai-Mara in Kenia, dem nördlichsten Zipfel des Serengeti-Mara-Ökosystems, ab.  Die Massai-Mara ist während der dreimonatigen Trockenzeit in Tansania das Futterreservoir für die Huftierherden. Wenn sie davon abgeschnitten werden – was passiert mit uns über ein Vierteljahr ohne Nahrung? Wir verhungern! Dieser Aderlass bei den Huftieren wird zum Totalkollaps des Ökosystems führen. Ohne Jagdbeute werden dort zwangsläufig auch die Löwen, Leoparden, Hyänen und Geparde aussterben.

Die Fotos in dem Buch sind faszinierend. Wie oft und wie lange waren Sie dafür in der Serengeti unterwegs?

Skrzypczak: Fünf Wochen – dazu muss man erst einmal wissen, dass die natürlichen Abläufe in der Serengeti nur zyklisch und in ganz bestimmten Gebieten während eines Jahres ablaufen. Schafft man die fotografischen Ziele nicht, muss man halt im nächsten oder auch im übernächsten Jahr wieder dort hin. Allerdings verfüge ich über mehr als zehnjährige Erfahrung und ein immenses Wissen über die Abläufe und das Tierverhaltens in der Serengeti. Ich kann somit auch die benötigte Technologie planen. Wenn Sie beispielsweise eine Gnugeburt ohne Gefährdung von Mutter und Kalb fotografieren wollen, benötigen Sie optische Ofenrohre von 800 – 1200 mm Brennweite. Wenn Sie wiederum tolle Fotoperspektiven haben wollen, müssen Sie gelegentlich riskieren, dass Ihnen die Sonnenblende von einem Normal- oder Weitwinkelobjektiv abgebissen wird. Ich verstehe mich überhaupt mehr als Grafiker und Autor, dabei mit sehr hohem Sachverstand über die Digitalfotografie und die druckfähige Weiterverarbeitung. Mag sein, dass ich dabei auch ganz ordentlich Fotografiere. Wenn ich losfahre, habe ich meine Idee und ein imaginäres Buchlayout im Kopf. Bekomme ich alle wesentlichen Szenen für ein geplantes Buchprojekt in den Kasten, freue ich mich. Meine Notizen setze ich in Texte um und produziere meine Bücher komplett druckfertig und biete sie dann Verlagen an. Schaffe ich meine Ziele nicht in einer Fotosaison, beiße ich mir in den Hintern und fahre halt das nächste Jahr wieder dort hin. Dies ist mir auch schon häufiger passiert, Afrika ist kein Zoo.

Sie haben bereits mehrere Bücher über die Tierwelt in Afrika veröffentlicht. Was fasziniert Sie an Afrika?

Skrzypczak: Ich bin schon sehr viel herum gekommen und hänge nicht an der gewohnten Scholle. Seit ich Ende der Neunziger zufällig in Ostafrika gelandet bin, weiß ich wieder, was Heimweh ist. Das geht meist schon eine Woche bevor ich nach Deutschland zurückfliege los. Ich werde mit Sicherheit irgendwann nach Ostafrika übersiedeln.

Wann wird das Buch „Weltnaturerbe Serengeti – Aus Feuer und Asche geboren“ erscheinen?

Skrzypczak: Schwierige Frage. Ich habe im Spätherbst eine große Fotoausstellung im Entwicklungshilfe-Ministrium (BMZ), zuerst in Berlin, danach im ehemaligen Bundeskanzleramt im Bonn. Diese Publicity wollte ich gerne zur Markteinführung nutzen, allerdings kommen deutsche Verlage mit so einem Timing nicht wirklich klar. Es wird wohl eher im Frühjahr oder Sommer auf den Markt kommen. Möglicherweise bekomme ich die US-Version zumindest noch im Frühjahr heraus. Dort bin ich bekannter als in Deutschland, auch mein Fachbuch über Wildlife-Fotografie läuft dort X-mal besser, die digitale Kindle-Version rangierte dort über Monate unter den ersten 10 der Natur- und Wildlife-Büchern. Ab August schreibe ich monatlich für die größte Fotografen-Website der Welt mit Sitz in Seattle, die noch dazu und glücklicherweise im Besitz des größten Online-Buchhändlers der Welt ist, der meine Artikel natürlich direkt zu meinen Büchern auf der Verkaufsplattform verlinkt. Amerika ist uns deutschen Zettelwirtschaftlern im Internet und E-commerce leider immer noch um Lichtjahre voraus, deshalb konzentriere ich mich auch zunehmend auf den US-Markt

• www.serengeti-wildlife.com

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