„Ein schnellerer Ausstieg aus der Kernenergie brauchte übrigens erst recht Zwischenlager“


Nach der fürchterlichen Nuklearkatastrophe in Fukushima hat die Bundesregierung ihren Atomkurs geändert. Bundeskanzlerin Angela Merkel stoppte in der Vorwoche vorerst die Laufzeitverlängerung für AKW. Der Ahauser CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Spahn beantwortete mir zu diesem Thema Fragen. Am Mittwoch, 23. März, ist das Interview in der Wochenpost erschienen..

Herr Spahn, Japan ist wie kein zweites Land auf eine Erdbebenkatastrophe vorbereitet gewesen. Dennoch sind mehrere Atomreaktoren außer Kontrolle geraten. Ihr Parteikollege und ehemalige Atom-Hardliner Stefan Mappus bezeichnete das Erdbeben in Japan als eine Zäsur für den Umgang mit der Kernenergie in Deutschland. Würden Sie ihm zustimmen?

Jens Spahn im Interview mit der Wochenpost

Jens Spahn: Japan ist ein Hochtechnologieland. Auch wenn ein so starkes Erdbeben verbunden mit einem Tsunami bei uns unvorstellbar ist, stellt sich die Frage nach dem vertretbaren Restrisiko neu. Ein abstrakter Begriff ist hier plötzlich sehr konkret geworden, das lässt niemanden kalt. So ist der Schutz bei einem Flugzeugabsturz zu klären oder die Frage, wie es im Fall der Fälle denn bei unseren Kraftwerken mit der Sicherstellung der Kühlwasserzufuhr aussieht. Es geht insgesamt um eine gesellschaftliche Neubewertung der Kernenergie: Welche Risiken sind wir bereit für unsere Energieversorgung zu tragen?

Sie waren ebenfalls bis vor wenigen Tagen ein Befürworter der Laufzeitverlängerung. Sind Sie plötzlich grün geworden?

Spahn: Es geht nicht um Farbenspiele, schon gar nicht um politische. Ich denke immer noch, dass wir nicht von heute auf morgen auf Kernenergie in Deutschland werden verzichten können. Es geht nun darum, dass wir die Risiken neu bewerten und Kosten der Alternativen abwägen. Auch vor dem Hintergrund, dass wir keinesfalls von heute auf morgen aus der Kernenergie aussteigen können. Das wissen auch SPD und Grüne. Wer einen Ausstieg will, muss aber auch die Frage nach den Alternativen beantworten.

Von den sieben deutschen AKW, die nach dem Moratorium stillgelegt werden, sind bis auf Isar I  alle anderen bereits seit einigen Monaten vom Netz bzw. sollten planmäßig in Revision gehen. Ist die Entscheidung von Frau Merkel also nur ein großer Bluff?

Spahn: Nein, im Gegenteil. Schon jetzt ist klar, dass mindestens drei der Kraftwerke nie wieder ans Netz gehen. Wir werden jetzt die Sicherheitsanforderungen überprüfen und auch schauen, wie wir andere Energiequellen noch stärker ausbauen können. Dazu gehören dann aber auch das modernste Kohlekraftwerke Europas in Datteln, das fertig gebaut werden muss, oder die Hochspannungsleitungen durch den Kreis Borken, um den Strom vom windreichen Norden der Republik in den Süden zu transportieren. Das muss man den Menschen dann auch ehrlich sagen, dass auch die Alternativen zur Kernenergie nicht ohne Belastungen für andere sind.

Muss die Sicherheit im Brennelemente Zwischenlager in Ahaus nun ebenfalls neu überprüft werden?

Spahn: Sollte es nach dem dreimonatigen Moratorium zu einer Verschärfung der Sicherheitsanforderungen kommen, wird das sicher nicht ohne Folgen für das Zwischenlager in Ahaus und auch für die Urananreicherung in Gronau bleiben. Die Anforderungen hier vor Ort würden dann auch überarbeitet. Ein schnellerer Ausstieg aus der Kernenergie brauchte übrigens erst recht Zwischenlager, um etwa die baulichen Reste der Kraftwerke aufzunehmen. Da wird auch Ahaus noch gefordert werden.

Noch einmal zum Abschluss: Befürworten Sie weiterhin die Nutzung von Kernenergie?

Spahn: Nochmal: Es geht um die Alternativen. Wie schnell sind diese zu haben? Und wie teuer sind sie? Ich will nicht, dass wir hier alle Meiler abschalten und dann Atomstrom aus Frankreich oder Tschechien beziehen müssen. Die CDU hat sich bereits für den Ausstieg aus der Kernkraft ausgesprochen, sie ist eine Brückentechnologie, bis wir insbesondere die erneuerbaren Energien ausgebaut haben. Die Frage nach dem Wie und Wann ist allerdings nicht so einfach zu beantworten, wie einige jetzt tun. Einfach nur raus und der Rest ist egal, das wäre keine verantwortungsvolle Politik.

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