Der schweigende Papst


Seit ein paar Wochen fällt mir jeden Samstag beim Blick in die Agenturmeldungen auf, dass der Spiegel konsequent einen neuen Skandal um sexuelle Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche nach dem anderen aufdeckt. Eine Stellungsnahme des katholischen Kirchenoberhauptes ist bislang ausgeblieben. Obwohl, stimmt ja gar nicht. Papst Benedikt XVI lässt ausrichten, dass ihn die Fälle tief erschüttern. Beeindruckend, oder? Der Papst ist tief erschüttert. Schuld gibt die katholische Kirche aber der sexuellen Revolution und der Sexualisierung der Gesellschaft. Das ist auch einfach und schnell erklärt.

Gestern gab es dann allerdings mal eine „echte“ Reaktion aus dem Vatikan. Der Vatikan sieht Papst Benedikt XVI. als Opfer einer Kampagne im Skandal um sexuelle Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche in Deutschland. Der Papst ist plötzlich Opfer. Ein Opfer der bösen Medien, die darauf aufmerksam machen, dass 100 von Kindern in Deutschland von Kindern von Mitgliedern der katholischen Kirche gequält und geschändet wurden.

Erbärmliche Taten. Und an oberster Stelle steht ein Papst, der sich selber als Opfer sieht und schweigt. Wie schlimm muss das für die wirklichen Opfer sein?

Eigentlich ist die Situation nicht neu: Das Schweigen sind wir von Papst Benedikt mittlerweile gewohnt. Zuletzt hat er dieses eindrucksvoll beim Skandal um die obskure Pius-Bruderschaft und den rechtsradikalen Holocaust-Leugners Williamson gezeigt.

Viel zu lange ist zugesehen, geschwiegen, vertuscht und beschwichtigt worden. Es ist an der Zeit, dass das Kirchenoberhaupt Stellung bezieht. Die Turbulenzen werden nämlich immer heftiger. Und oben steht ein schweigender Kapitän. Da ist der Schiffbruch doch vorprogrammiert…

Ergänzungam 14. März: Bei der Frankfürter Allgemeinen Sonnatgszeitung ist das Thema Missbrauch heute auf dem Titel- Hier ist der Link:

FAZ am Sonntag

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2 Kommentare zu “Der schweigende Papst”

  1. Da stimme ich zu. Die Kirche ist sowas von überholt. Und vorn weg steht ein Käpitän, der nicht bereit ist verantwortung zu übernehmen. Schlimm!

  2. Klar müsste der Mann mal was sagen. Aber ich kann ihn andererseits auch sehr gut verstehen. WAS soll er sagen? Was soll man DAZU noch sagen? Jedes Wort kann nur zu wenig, zu viel oder einfach falsch sein.

    Der Papst könnte die katholische Kirche auflösen, (die Auflösung der evangelischen Kirche und zahlreicher anderer Institutionen gleich mit anregen – Pädophile sind schließlich überall), und schließlich sich selbst.
    Ich an seiner Stelle jedenfalls würde mich jetzt am liebsten auflösen wollen, und genau so stelle ich mir den Benny im Vatikan auch gerade vor, in einer Ecke kauernd und depressiv rufend: „Ich will mich auflösen!“

    Aber er hat den Job ja gewollt.

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