Quo Vadis – Zeitung?


Nachrichten und Informationen werden heute im Internet gesucht. Kostenlos, denn wer ist schon bereit, für Informationen zu zahlen? Darf man zahlreichen Studien – darunter auch einer Untersuchung der Annenberg School for Communication an der Universität von Südkalifornien (USC) – glauben, dann sind die wenigstens Leser bereit, für Informationen zu zahlen. Immer mehr von ihnen wenden sich nämlich von den traditionellen Printmedien ab. In den USA kämpfen zahlreiche renommierte Tageszeitungen längst ums Überleben.

Die Zahlen, die vom Zeitungsmarkt in den USA gemeldet werden, sind erschreckend: Um über sieben Prozent sind die Auflagen der fast 400 großen US-Tageszeitungen im ersten Quartal gesunken. Das Damoklesschwert des „Zeitungssterbens“  schwebt über dem US-Zeitungsmarkt. Und dieses Schwert hat auch bereits kräftig zugeschlagen. Traditionsblätter in Denver und Seattle haben ihr Erscheinen eingestellt. In Detroit erscheinen beide „Tageszeitungen“ nur noch dreimal wöchentlich.

Die New York Times musste etliche Stellen streichen und Gehälter kürzen.  Dem traditionsreichen „Boston Globe“ droht nach fast 140 Jahren das Aus. In San Francisco wird es bald gar keine lokale Tageszeitung mehr geben. In Seattle erschien der „Seattle Post-Intelligencer“ Ende März zum letzten Mal. Und diese Liste ließe sich jetzt noch ohne Probleme fortsetzen.  Die Tribune-Gruppe zu der der „Chicago Tribune“ und die „Los Angeles Times“ gehören, meldete Ende des vergangenen Jahres Insolvenz an.

Hintergrund der Zeitungskrise sind die sinkenden Anzeigenerlöse. Die Leser wandern zudem in Richtung Internet ab und erwarten die Inhalte dort umsonst. Das trifft nicht nur die kleinen, sondern auch die großen Titel. Krampfhaft wird deshalb in den USA nach einem Heilmittel für das große Zeitungssterben gesucht.

Jetzt hoffen die Zeitungen auf eine Rettung in Form des elektronischen Presse-Lesegeräts Kindle DX, das in dieser Woche gemeinsam von Amazon und den Zeitungen  „New York Times“ und  „Washington Post“ vorgestellt wurde. Das soll nun die Lösung bringen.  Doch das erscheint irgendwie wie ein hilfloser Hoffnungsschimmer. Wer bezahlt schon 370 Euro für ein Kindle, um anschließend auch noch einmal Geld für Zeitungsinhalte hinzublättern?

Doch was ist die richtige Lösung? Der amerikanische Medienexperte Jeff Jarvis rät in einem in dieser Woche veröffentlichten Spiegelinterview, dass die Verlagshäuser sich der neuen Konkurrenz stellen müssen und mit Bloggern oder mit sozialen Netzwerkseiten aktiv zusammenarbeiten sollen. Sicher eine richtige Idee, aber trotzdem kann das auf Dauer nicht bedeuten, dass wir all unsere Informationen von Bloggern und  Bürgerreportern bekommen. Zugegeben, die machen ihre Aufgabe mitunter sehr gut, aber trotzdem ist ihre Arbeit nicht mit Qualitätsjournalismus zu vergleichen. Journalismus mit vernünftigen Recherchen und einer Unabhängigkeit von Politik und Unternehmen kostet Geld. Und dieses Geld ist momentan in den US-Medien nicht vorhanden.

Kürzlich habe ich gelesen, dass Walter Isaacson, Präsident des Aspen Instituts, vorschlägt, existenzbedrohte Zeitungen durch eine Stiftungslösung zu retten. Und dieses Stiftungskapital soll auch vom Staat kommen. Geld vom Staat für eine Zeitung? Eine absolut absurde Idee.

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