FC Bayern schießt übers Ziel hinaus

Mein Kollege Sven Asmuß hat etwas zum FC Bayern und einer verunglückten PR-Aktion gebloggt. Hier ist sein Beitrag: 

Mia san mia! Der FC Bayern spielt in einer eigenen Liga, auch was das Verhalten gegenüber den eigenen Fans angeht. Da wird am Donnerstag, fünf Tage bevor die Transferliste schließt, vollmundig die Verpflichtung einer spektakulären Offensivkraft angekündigt. Vorstellung um 14 Uhr, Live-Stream im Internet, auf  dem FCB-Facebook-Profil. Einzige Bedingung, um der Vorstellung bewohnen zu können, ist das Drücken des „Gefällt mir“-Buttons.

Und damit sind wir schon beim Thema, denn die vielen vielen neuen „FCB-Liker“ sind die spektakuläre Neuverpflichtung. So lustig und gut überlegt die Aktion auf den ersten Blick wirken mag, so lächerlich wirkt sie beim zweiten Hinsehen. Denn wenn man die eigenen Fans (und auch solche, die es eigentlich nicht sind, aber trotzdem wissen wollen, welche Granate in Zukunft ebenfalls im roten Trikot Tore schießt) derart vorführt und zum Narren hält und zusätzlich noch eine ganze Armada an Journalisten am Vereinsgelände antanzen lässt, um dann einen PR-Gag aufzulösen, den kann man eigentlich nicht mehr für voll nehmen.
Social Media ist ja schön und gut, dient in vielen Fällen auch ganz bestimmt dem Transportieren von Nachrichten und lustigen Begebenheiten. Doch dieser Fall muss eindeutig in die Kategorie „über das Ziel hinausgeschossen“ einsortiert werden. Dem FC Bayern ist nicht nur eine großartige Neuverpflichtung gelungen, sondern gleich ganz viele: Kopfschütteln, Ablehnung, Entrüstung und Peinlichkeit spielen in den nächsten Tagen und Wochen eine tragende Rolle in München…

Sven Asmuß

It´s up to you – Facebooks Timeline

Gute Güte, was regen sich wieder einzelne Datenschutzbeauftragte und Social-Media-Kenner auf: Facebook hat und will die Timeline (Chronik) für alle einführen. War doch irgendwie klar, dass das kommen wird, warum sonst hätte das Unternehmen die Timeline entwickeln sollen? Natürlich gibt es sofort wieder Leute, die drohen mit dem endgültigen Facebook-Austritt. Und natürlich werden die meisten Nutzer es wieder einfach geschehen lassen.

Erstmal Ruhe bewahren! „It´s up to you“, was irgendwo bei Facebook (und im Netz) steht! 

In den nächsten Monaten soll diese Chronik nun Pflicht werden. Die Timeline zeigt alle Kommentare und Aktivitäten eines Facebooknutzers. Diese Tätigkeiten werden in einer neuen Übersicht angezeigt. Diese Übersicht beginnt entweder beim Geburtstag (falls ich das angegeben habe), oder beim Facebook-Eintritt.  Die Timeline zeigt also genau die Daten, die sich auch bislang in meinem Profil befinden, nur dass diese Daten anhand einer Chronik/Zeitliste optisch anderes dargestellt werden. Auch die Einstellungen, wer etwas sehen kann, ändern sich nicht. So what?

Sicher, Facebook erfasst unsere Daten – ob mit oder ohne Timeline – darüber muss ich mir einfach im klaren sein. Auf meiner Seite bekomme ich viel Werbung über Blogs, Reisen und Surfen. Wundert mich eigentlich nicht, wenn ich so meine Posts auf Facebook betrachte.  Aber was ist  eigentlich mit Unternehmen wie Amazon? Dort bekomme ich jedes Mal diverse Verkaufsvorschläge, wenn ich etwas bestelle, iTunes schlägt mir Musik vor, die mir gefallen dürfte. Diese Liste könnte ich jetzt noch fleißig fortsetzen… Was ist mit meinen Daten bei diesen Unternehmen? Kann sich darüber bitte mal jemand so aufregen wie über Facebook?!

CSU-Politikerin und Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner kritisiert die Timeline kürzlich als „absurd“.  Warum, habe ich ehrlich gesagt nicht verstanden, aber Frau Aigner kritisiert eigentlich alles irgendwie, was mit Facebook zu tun hat. Absurd finde ich die Timeline nicht. Ich finde sie eher optisch unübersichtlich, aber das ist nur meine eigene Meinung.

Klar, man kann immer noch austreten und zu anderen Netzwerken wechseln. Ob allerdings Google+ wirklich besser ist, mag ich bezweifeln. Google hat gerade verkündet, seine Datenschutz-Bedingungen radikal umzustellen. Google will noch mehr Dienste und somit uns als Nutzer  verknüpfen. Also eine echte Alternative? Hm, was dann am Ende wirklich bleibt, ist einfach nur noch alles abschalten.

Die Timeline ist kein Hexenwerk, soviel ist klar. Wir bestimmen immer selber, was wir online stellen und wann wir etwas online stellen.  It´s up to me/you, was bei Facebook (und generell im Netz) von mir zu lesen ist. Jetzt beruhigt euch also mal wieder!

Unworte des Jahres 2011: Döner-Morde – Gutmensch – Marktkonforme Demokratie

Es ist eine sprachkritische Aktion: Das Unwort des Jahres wird seit 1991 gewählt. „Herdprämie“ (2007), „Humankapital“ (2004), „Tätervolk“ (2003), Betriebsratsverseucht (2009) und viele andere Wörter haben es bislang zum Unwort eines Jahres  geschafft. Jetzt steht das Unwort 2011 fest:  Die Sprecherin der „Unwort“-Jury, Sprachwissenschaftlerin Prof. Dr. Nina Janich, hat am heutigen Dienstag (17. Januar 2012) in Darmstadt das Unwort des Jahres 2011 mitgeteit. Hier ist die Pressemitteilung samt Begründung.

Unwort des Jahres 2011: Döner-Morde 

Begründung: Mit Döner-Morde wurden von Polizei und Medien die von einer neonazistischen Terrorgruppe verübten Morde an zehn Menschen bezeichnet. Der Ausdruck steht prototypisch dafür, dass die politische Dimension der Mordserie jahrelang verkannt oder willentlich ignoriert wurde: Die Unterstellung, die Motive der Morde seien im kriminellen Milieu von Schutzgeld- und/oder Drogengeschäften zu suchen, wurde mit dieser Bezeichnung gestützt. Damit hat Döner-Mord(e) über Jahre hinweg die Wahrnehmung vieler Menschen und gesellschaftlicher Institutionen in verhängnisvoller Weise beeinflusst. Im Jahre 2011 ist der rassistische Tenor des Ausdrucks in vollem Umfang deutlich geworden: Mit der sachlich unangemessenen, folkloristisch-stereotypen Etikettierung einer rechts-terroristischen Mordserie werden ganze Bevölkerungsgruppen ausgegrenzt und die Opfer selbst in höchstem Maße diskriminiert, indem sie aufgrund ihrer Herkunft auf ein Imbissgericht reduziert werden.

Weitere Unwörter für das Jahr 2011:

Gutmensch

Begründung: Mit dem Ausdruck Gutmensch wird insbesondere in Internet-Foren das ethische Ideal des „guten Menschen“ in hämischer Weise aufgegriffen, um Andersdenkende pauschal und ohne Ansehung ihrer Argumente zu diffamieren und als naiv abzu¬qualifizieren. Ähnlich wie der meist ebenfalls in diffamierender Absicht gebrauchte Ausdruck Wutbürger widerspricht der abwertend verwendete Ausdruck Gutmensch Grundprinzipien der Demokratie, zu denen die notwendige Orientierung politischen Handelns an ethischen Prinzipien und das Ideal der Aushandlung gemeinsamer gesellschaft-licher Wertorientierungen in rationaler Diskussion gehören. Der Ausdruck wird zwar schon seit 20 Jahren in der hier gerügten Weise benutzt. Im Jahr 2011 ist er aber in unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Kontexten einflussreich geworden und hat somit sein Diffamierungspotential als Kampfbegriff gegen Andersdenkende verstärkt entfaltet.

Marktkonforme Demokratie

Begründung: Die Wortverbindung marktkonforme Demokratie steht für eine höchst unzulässige Relativierung des Prinzips, demzufolge Demokratie eine absolute Norm ist, die mit dem Anspruch von Konformität mit welcher Instanz auch immer unvereinbar ist. Sie geht zurück auf ein Statement Angela Merkels, wonach Wege zu finden seien, „wie die parlamentarische Mitbestimmung so gestaltet wird, dass sie trotzdem auch marktkonform ist.“ Auch wenn die Wortverbindung gegenwärtig meist kritisch verwendet wird, steht sie doch für eine bedenkliche Entwicklung der politischen Kultur.

Unwort-Statistik:

Für das Jahr 2011 wurden 923 verschiedene Wörter eingeschickt. Die Jury erhielt mit insgesamt 2420 Einsendungen die meisten Einsendungen seit Bestehen der Unwort-Aktion. Die häufigsten Einsendungen waren Döner-Morde (269mal), Stresstest (186mal), Rettungsschirm (136mal) und Tagesrandzeit (105mal).
Die Jury der Aktion „Unwort des Jahres“ besteht aus folgenden Mitgliedern: den vier Sprachwissenschaftlern Prof. Dr. Nina Janich/TU Darmstadt (Sprecherin), Dr. Kersten Sven Roth (Universität Zürich), Prof. Dr. Jürgen Schiewe (Universität Greifswald) und Prof. Dr. Martin Wengeler (Universität Trier) sowie dem Journalisten Stephan Hebel (Frankfurter Rundschau). Als jährlich wechselndes Mitglied war in diesem Jahr Dr. Heiner Geißler, Bundesminister a. D., beteiligt.

Und hier gibt es weitere Informationen zur sprachkritischen Aktion „Unwort des Jahres“…

Was ist mit WhatsApp?

Update 19. Januar: WhatsApp ist in der Version 2.6.9 wieder im App-Store erhältlich. Und nach wie vor ist die App kostenlos.  

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WhatsApp ist verschwunden. Zumindest momentan aus dem iTunes-Store. Das Unternehmen hat dies via Twitter am 13. Januar bestätigt, weil es angeblich ein Update der App geben soll und nur noch auf die Freigabe von Apple gewartet wird.

„Sorry, WhatsApp is temporarily unavailable on iTunes. We submitted a new version and are awaiting approval and publication by Apple“, so die Twitter-Nachricht.

Dafür gibt es seit ein paar Tagen einen Hoax, die einige tausend WhatsApp-Nutzer erhalten haben.

Wichtige Meldung ☜ Dein geliebtes App WhatsApp wird in nächster Zeit kostenpflichtig, sprich es werden monatliche Kosten anfallen! Um dies zu umgehen, hat die WhatsApp Gemeinde beschlossen, diesen Kettenbrief zu schreiben. Damit diese Warnung Anklang findet, soll sie so oft wie möglich weitergesendet werden. Dies ist auch der einzige Weg, um sich von den zukünftigen Kosten zu befreien. Somit kannst du von Glück sprechen, wenn du überhaupt diese Nachricht lesen konntest. Nachdem du diese Nachricht erfolgreich (Doppelhaken) an 10 weitere Freunde versendet hast, wird dein WhatsApp Logo in roter Farbe aufleuchten.
Mit freundlichen Grüßen Deine WhatsApp Gemeinde

Das ist natürlich eine Falschmeldung, das hat inzwischen auch WhatsApp Inc. per Blog bestätigt.

Ganz abgesehen von diesen Meldungen habe ich mich aber auch schon gefragt, ob ich WhatsApp überhaupt noch benötige. Ich nutze – bis auf wenige Ausnahmen – fast nur noch iMessage. Ist auch kostenlos…

WulffPlag rekonstruiert Mailbox-Nachricht

Rekonstruierung via Crowdsourcing. Seit dem GuttenPlag ist das kein ungewöhnlicher Vorgang, um Dinge aufzuklären. Viele Internetnutzer  arbeiten gemeinsam an der Aufklärung einer Sache. Und zwar auf einer Plattform. Dort werden Informationen zusammen getragen, rekonstruiert usw..

Was beim GuttenPlag unter anderem zum Rücktritt des Ministers geführt hat, gibt es jetzt unter dem Namen „WulffPlag“ ebenfalls im Internet. Nutzer tragen hier Einzelheiten zum Fall Wulff zusammen und rekonstruieren u.a. die Mailbox-Nachricht Wulffs.

Noch einmal etwas zum Hintergrund der Plags: Die Internet-Plattform „GuttenPlag Wiki“ ist 2011 übrigens mit dem renommierten Grimme Online Preise ausgezeichnet worden.

Wulffs Schicksal hängt von einem Anrufbeantworter ab

„Vielleicht zu lange in hannover gelebt …MAN legt sich niemals mit BILD an ,oder MAN gewinnt WIMBLEDON !” Dieser Rat von Boris Becker  am 2. Januar 2012  kam wohl zu spät für Wulff. Da war das Kind nämlich schon längst in den Brunnen gefallen. Es ist offensichtlich, dass hinter dieser ganzen Wulff-Geschichte, oder dem Schmierentheater – wie man es auch immer gerne bezeichnen  möchte – eine groß angelegte Kampagne der Bildzeitung steckt. Hier ist mal meine kurze Chronologie der Wulff-Geschichte:

Bild haut ein paar Details (Kredit von Wulff) raus –  Bild zieht sich wieder zurück – Wulff erklärt sich – Situation beruhigt sich etwas – Bild überlässt „zufällig“ den Anrufbeantworter von Chefredakteurs Diekmann einem FAS-Redakteur  und zieht sich (natürlich) wieder zurück – Wulff erklärt sich in ARD/ZDF erneut – Bild bietet die AB-Nachricht als Transparenz und Offenlegung an – Wulff lehnt ab – Bild will „nur“ zur Aufklärung beitragen und ist verwundert über Wulffs Absage.  Alles weitere  wird jetzt irgendwie ein Selbstläufer…

Es dauerte heute natürlich nicht lange und schon forderten erste Medien und Politiker die Herausgabe des Anrufs. So zum Beispiel WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz und  Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele.

Was hinter der ganzen Wulff-Geschichte steckt, dürfte inzwischen selbst dem letzten aufmerksamen Bürger in dieser Republik klar sein. Eine miese Geschichte soll aufgedeckt werden. Klar, wer der Bildzeitung vorher alle Nachrichten (Scheidung und Hochzeit) liefert und nun auf wohlwollende Berichterstattung hofft, der muss schon – mit Verlaub – ziemlich naiv sein. Das Medienkonzept von Wulff ist nicht aufgegangen. Wer sich in Gefahr begibt, der kommt darin um. Erst recht, wenn es um Boulevard-Journalismus geht.

Das, was gerade in Deutschland passiert, ist zweifelsohne ein neues Stück Mediengeschichte.  “Ich muss mein Verhältnis zu den Medien neu ordnen, ändern“, stellt Wulff im ARD/ZDF-Interview fest. Leider zu spät, Herr Bundespräsident. Der Herr Diekmann ist Ihnen nämlich einen Schritt voraus. Wulffs Schicksal hängt von einem Anrufbeantworter ab . Gut, dass es hier nur um das Amt des Bundespräsidenten geht. Man stelle sich mal vor, es wäre eine wichtigere Funktion…

 

Update am 5. Januar 23.04: Kai Diekmann hat gerade einen Kommentar zum Machtkampf und zur „Medienkampagne“ veröffentlicht.

Nach Planking kommt hier bald Owling, oder so…

Schön ist das nicht: Da macht man sich tiefsinnige Gedanken, feilt, formuliert, liest und recherchiert und ein in nur zehn Minuten „hingeklatschter“ Blogbeitrag ist einer der Gründe,  warum ich meine Zugriffszahlen aus siswords.wordpress.com im Jahr 2011 verzehnfacht habe.

Das ist übrigens Planking

Das ist übrigens Planking

Planking – das ist einer der Beiträge  in meinem Blog, der mir im Jahr 2011 am meisten Besucher beschert hat. Planking, das ist ungefähr so bedeutend wie das Sexualleben eines Goldfisches zur Trockenzeit. Auf jeden Fall war eben dieses Planking einer der meistgesuchten Begriffe, über den Besucher auf meinen Blog kamen.  

Wenngleich der Bericht und die Recherche sehr lustig waren und wir in der Redaktion wirklich viel Spaß damit hatten, wurmt mich das doch ein wenig. Bei all diesen hochkarätigen anderen Themen, tse…

Die nachfolgenden Ergebnisse beruhigen mich dann doch wieder etwas: Immerhin war Planking nur einer der Begriffe für die verzehnfachten Besucherzahlen. Die meisten Leser – erstmals einige tausend – habe ich am 27. September gehabt. An diesem Tag habe ich – ebenfalls in zehn Minuten – den Facebook und ein Abo-Fake…„-Beitrag geschrieben. 

Eine Geschichte, die mir nach wie vor viele Besucher und Diskussionen bringt, ist iMessage“ und die Synchronisation von Cloud-Lesezeichen. Auch das Interview mit Helen Zille, Premierministerin am Western-Kap in Südafrika hat ordentlich Zugriffe gebracht, allerdings längst nicht so viele wie Planking,  Facebook und iMessage. Und für die Südafrika-Geschichte habe ich wahrlich mehr als zehn Minuten benötigt.  

Die WordPress-Jahresauswertung sagt mir zudem noch Folgendes:  2011 gab es 103 neue Posts, damit vergrößerte sich das Archiv dieses Blogs auf 204 Posts. Es wurden 197 Bilder hochgeladen, das macht 116 MB an Bildern. Das wiederum entspricht etwa 4 Bildern pro Woche. Interessant, oder?

Und was lerne ich aus all dem für das Blogjahr 2012? Hier wird es in Zukunft ganz viele Trend-Themen geben. Ich werde neben Planking sicher noch andere Rand-Sportarten finden. Ganz gewiss. Wenn ich nur lange genug suche, wird sich was finden. Und über Facebook schreibe ich sowieso, solange irgendwer in irgendwelche Fallen tappt. Pah! 

Also, nicht allzu viele Gedanken machen, dann klappt das offensichtlich auch mit dem Blog. In diesem Sinne, werde ich jetzt mal etwas über Owling recherchieren. Das kennen Sie nicht? Tja, ich würde hier 2012 einfach mal häufiger vorbeischauen…